WEST COAST

West Coast

Auf in den wilden Westen. Warum darf immer der Westen nur wild sein? In Portugal ist es genauso. Demensprechend fühlt sich Dörti wie zuhause. Hier kracht die ungestüme Tasman Sea gegen die Küste. Definitiv seelenverwandt mit dem Atlantik.

Die Westküste ist die Region mit der höchsten Rate an geschützten Gebieten. Wir dachten, mehr geht eigentlich nicht mehr. Aber Tourismus lebt bekanntlich von Superlativen… Eingequetscht von der Tasmansee und von einer Gebirgskette, die man mit Südalpen übersetzt, vermittelt die West Coast ein Gefühl von Weltabgeschiedenheit. Auch das ist uns nicht neu, aber durchaus willkommen. Die Region beherbergt ein Staraufgebot an Big-Touri-Playern, unter anderem den Buller Gorge, die Pancake Rocks und die Franz Josef und Fox Gletscher. Außerdem, um die elementarste Information preiszugeben, ist sie die regenreichte Provinz. Große Vorfreude!
Wir also düsen los. Es dauert nicht lange und Dörti lauscht einem bereits mehrfach gehörten Ausruf der Panik. Wir müssen tanken. Und das dringend. Sehr sogar. Dieses Timing kriegt Heiki bei aller Organisations- und Planungstalente noch immer nicht auf die Reihe. Wir wechseln auf gut Glück die Richtung und setzen alles auf ein hoffentlich zivilisiertes Kaff. Hätte man nicht für möglich gehalten, dass man sich mal sooo über die NPD freut. Das ist hier nämlich eine Tankstelle. Und spätestens in Megalo-Australia sollten wir wohl einen Ersatzkanister besorgen.

Pittstop Number 1: Die mit 110 Metern längste Hängebrücke Neuseelands. Buller Gorge heisst ´.se, klingt irgendwie nach bayrischer Bierzeltromantik. Der Holz Michel lässt grüßen. Dörti übrigens hat Kopp, Zahn und Rücken. Heiki Durchfall und der Finger tut weh. Doch wagemutig galoppieren wir über Gorge und sind nach 5 Minuten auch schon fertig. Pose fürs Foto und weiter gehts. Jean Claude von Damme hätte mit Sicherheit noch einen Spagat hingekriegt.
Buller Bridge Dörti ganz AkrobatischBuller Bridge Tolle Landschaft während der Fahrt

 

 

 

 

Um an die Küste zu gelangen, geht es rechts und links und hoch und runter durch schroffes, bewaldetes Bergland. Der Buller River immer in Reichweite. Natürlich darf im regenreichsten Gebiet Neuseelands genau dieser nicht fehlen. Bevor wir uns in Richtung Pancake Rocks begeben, machen wir einen Abstecher nach Westport zu einer Seebärenkolonie. Genug ist nie genug. Es regnet in Strömen, doch beiderlei Seebären – wir und die mit den Flossen – zeigen sich davon recht unbeeindruckt. Ein bisschen mehr Action wäre trotzdem klasse. Dörti sieht nur ansatzweise Flecken auf dunklem Fels. Könnten auch als Seegurken durchgehen. Und wieso kann man die eigentlich nicht farbig markieren. So als Sehenswürdigkeit hat man doch auch Pflichten. Wenn sie sich übrigens bewegen, dann recht flink. Sollten wir mal versuchen, quasi mit Ellenbogen und Knien über große Felsen zu robben.
Toller Ausblick bei der SeebärenkolonieSeebärenkolonieSeebärenkolonie

 

 

 

 

Wir schütteln unser Fell trocken und düsen weiter nach Punakaiki. Wieder eine dieser beeindruckenden Küstenserpentinen. Was das Meerespanorama angeht, fühlen wir uns sehr an Sagres erinnert. Rough and Beautiful. Nur hier ist es grüner, der subtropische Wald krallt sich in die Felsen. Unterwegs wollen wir eine Pizza vernaschen in Jacks Gasthof. So heisst das wirklich. Der hat aber zu. Eingeschnappt beschliessen wir, Jack und Petra doof zu finden.
Der Zeltplatz in der Paar-Häuser-Ansammlung Punakaiki liegt in absoluter Traumlage. Direkt am Strand und von großen Waldfelsen flankiert. Nun ja, es regnet. Was also nutzt der Strand im Gedanken. Wir rennen trotzdem schnell mal hin. Foto muss sein (Panorama Foto). Tags darauf ergießt sich Petrus in einer wahren Hasstirade. Muss wohl schlecht geschlafen haben. Wir aufjedenfall beschließen, die Pancake-Rocks auszulassen. Schnauze voll. Außerdem sind es ja auch nur paar Felsen, die irgendwann mal einen vermutlich hungrigen Spacekopf an Pfannkuchen erinnerten. Wir haben schon einen ganzen Kühlschrank voller Felsen gesehen. Alles eine Frage der Fantasie.
Links hinter den Büschen liegt unser CampingplatzPunakaikiStrand bei PunakaikiBlick vom Campingplatz auf den Strand

Weiter Richtung Süden. Die Gletscher rufen. Die liegen im Regenwald. Regenwald! Für unsere Begiffe bzw. nordeuropäische Prägung passt das gar nicht zusammen. Eis, Papagei und Palme. Seltsam. Neuseeland, du fetzt.
Eigentlich haben wir uns für den etwas ruhigeren Fox Gletscher entschieden. Aber viel Zeit ist noch übrig vom Tag, also nehmen wir Franz Josef auch noch mit. Wir Quasi-Landsleute müssen zusammenhalten. Und Heiki sagt, tson Glescher muss man mal gesehen haben. Regnet auch gerade nicht. Wir wähnen uns im Glück… So richtig wissen wir auch nicht, was uns erwartet. Unsere Vorstellung schlittert so rum um blitzend-weisses Eis in der Landschaft. Also los. ´´Ne Stunde marschiert und schon von weiten erahnt. Franz Josef liegt oben im Berg. Dreckiges Eis in grauem Geröll. Hmmm. Die einzigen erkennbaren Farbakzente setzen rote Sedimente im Stein und Moos. Der Himmel ist dunkel. Sehr dunkel. Dann haut auch schon wieder Petrus in die Pauken. Muss wohl auch das Mittag nicht geschmeckt haben…
Es giessssssst. Dörti im Stechschritt zurück. Berge sind ihr sowieso suspekt. So finster. Engen alles ein. Als ob Gollum dort oben in den fiesen Felswänden lauern würde. Und Heiki? Die will ein Foto. Ein FOTO. Dörti fotot ihr gleich eine. Kann sowieso nüschts sehen mit vom Atem beschlagener Brille. Fehlt auch der Scheibenwischer. Und so mit Deichmann-Schuhen und luschigen Costa-Rica-Windbreaker ist sie bestens auf Sturzregen vorbereitet. Heiki findet`s immer noch toll. Muss man eben mal gesehen haben…Denkt sich Dörte: Son Stück Packeis kannste auch in der Schweiz sehen. Nun ja, die Klamotten sind nass. Alle Klamotten. Wir haben ja sowieso nur wenig Alpinzeugs dabei. Was wir daraus gelernt haben? 1. Regen ist feucht. 2. Es gibt Steinmehl, das die Flüsse leicht milchig einfärbt. 3. Dörti hätte Geher werden sollen. Die Geschwindigkeit macht ihr so schnell keiner nach. 4. Regenwald heisst nicht umsonst Regenwald. 5. Optimismus ist alles.
Nach nur einer halben Stunde erreichen wir den Zeltplatz. Zu allem Übel ist der nicht flott. Wie im Lager sieht`s hier aus. Uniformierte Baracken und domestizierte Parklücken. Nix mit wilder Wiese. Heiki isset wurscht. Sie ist fertig vom Fahren. Ein Highlight hebt die müde Stimmung. Beim Kochen quasselt Dörti mit einer Schweizer Familie. Später werden die uns zwei Weingläser schenken. Das gehört nämlich nicht zur Ausrüstung eines Campervans. Bisher haben wir aus Cubagläsern getrunken. Die Freude ist groß. Danke schön, Renate und Nadim. Kann sich Dörti gleich alles schön süppeln. Der nächste Gletscher steht nämlich auf dem Programm.
Auf dem Weg zum Franz Josef GlacierGletscher SeeFranz Josef ClacierFranz Josef GlacierFranz Josef GlacierTrotz aller Gefahren :-) weiter gehts...Franz Josef Clacier ganz nahHeiki findets toll :-)Dörti mag kein Regen mehr...Heiki will ein Foto & bekommt eins :-)
Leider sieht der nächste Tag meteorologisch genauso mies aus. Wir erkundigen uns nach einer geführten Tour und erfahren, dass man zur Zeit sowieso nicht direkt ins Eis kann. Sehr viel Tag liegt noch vor uns, also fahren wir alleine hin. Wir ackern uns den Weg über graues Geröll frei. Der Fox Gletscher ist wenigstens dichter dran am Viewpoint. Doch auch er sieht, mit Verlaub, sehr dreckig aus. Ein kleines Highlight ist eine Lagune direkt am Parkplatz, die von Algen farblich in Szene gesetzt wird. Jetzt sitzen wir im Caravan. Es regnet. Sieh an. Nix wie weg hier.
Fox GlacierPapagei am Fox GlacierFox Clacier geschafft...Fox Glacier - tolle Farben...

Annex 1: Heiki hat Schnupfen.
Annex 2: Schnupfen hat sie seit dem ersten Tag
Annex 3: Es dünkt Dörti, es könnte sich um eine Silberfarn-Allergie handeln. Oder Regen.

10 Gedanken zu “WEST COAST

  1. Oder zwischendurch mal einen Gang runterschalten ihr habt ja ne wahnsinnsgeschwindigkeit drauf.oder hebt ihr das fùr d sonnigen teil d Reise auf? Lg u schön heiße Zitrone süppeln

    • Tobi, runterschalten kommt in der Waerme, die kriegen wir hier nicht mehr hin, in Australien wird erst einmal am Strand geluemmelt, die Fotos von deinem Milchvampier sind uebrigens goldig, bin gespannt, ihn im naechsten Jahr einmal knutschen zu koennen, Es drueckt Doerti

  2. Die ersten Bilder sind ja echt wie d Westküste Portugals. Dörti ein Stück Heimat für dich;-) lg aus d goldenen Herbst

  3. Hallo, Ihr Beiden,
    Ich habe heute mit Kati Eure fantastischen Fotos von Euch und der herrlichen Landschaft angesehen. DIe vielen Eindrücke und was Ihr Beide leistet, die vielen km am Tag. Heike ist ja Sportler, aber Du Dörte – ganz toll. Hut ab, ich bewundere Euch. Berichtet weiter so toll aber passt auf Euch auf!
    Ich drücke Euch. Eure Oma
    Hallo Ihr Lieben, Grüße auch vom Rest der Krefelder Sippe. Wir freuen uns auf Eure Berichte und drucken diese für Oma immer aus.

    • Luebste Oma, luebstes Helferlein Kati,
      schoen, dass es klappt und auch Oma unsere Reise begleiten kann. Es lebe die Technik bzw. das Internetzeitalter. Wie immer sitzen wir in unserem Van, haben gerade gegessen und bereiten den naechsten Beitrag vor. Danke auch fuer das Lob, wir leisten jeeeeede Menge, wenn man von leisten sprechen kann, in den Tag hinein zu wandern. Das ist hier in Neuseeland sozusagen die Pflichtaktivitaet aller Reisenden :). Man hat ja auch den ganzen Tag Zeit, grins. So ohne Arbeit. Wir sind vom leisten schon gaaanz schwach. Oma, lass die immer fleissig weiter berichten und alles zeigen. Kati, vielen Dank, seit dem Portugalbesuch von deinen beiden Herren habe ich immer das Essensmantra von Alexander im Kopp… Rolle, rolle, rolle, der Teller ist so volle…. Gruesse alle ganz doll von uns beiden und einen grossen Schmatzer an Oma, bis denne

  4. Hallo ihr Zwei,
    na ihr Beiden. Ich kann das verstehen. Zu viele Berge. Zu viele Felsen. Zu viel Regen.
    Aber bald kommt ihr in die Wärme. Dann werdet ihr wieder gesund.
    Liebe Küsse

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