FJORDLAND

Milford Sound - einfach gigantisch
Die Fjordlands also. Hier führt der weltberühmte Milford Track durch. Quasi der Sound des Lebens tausender Menschen, die diese Mehrere-Tage-Wanderung unternehmen.
Die erste Nacht bleiben wir in der Zwischenstation Te Anau hängen. Auch sollte man sich hier über die Straßenverhältnisse informieren und notfalls Schneeketten leihen. Schneeketten??? Te Anao ist zumindest visuell mit Wanaka und Queensland in eine Schublade zu stecken. Idyllisches Örtchen am See flankiert von Bergketten. Vermutlich ist es hier etwas ruhiger. Und die Nacht ist bitterkalt. So mies, dass wir den Van zum Rauchen nur mit Supermann-Cape verlassen. Wozu son Schlafsack nützlich sein kann.

Wir haben beschlossen, den nächsten Tag damit zu verplempern, möglichst viele der 32!!! Stops/Aussichtspunkte/Empfehlungen/Seen/Wasserfälle etc. während der 2 1/2 stündigen Fahrt zum Milford Sound mitzunehmen. Schaffen wir eh nicht.
Eine dieser Etappen ist ein kurzer Spaziergang durch einen uralten Rotbuchenwald. Eigentlich nichts besonderes, doch das Moos reisst alles raus. Kommen wir also doch noch in den Genuss, dieses holde Pflänzlein zu lobpreisen. „Ohne Moos nix los“ einmal anders, im wahrsten Sinne des Wortes. Es lullt alle Ebenen ein und sorgt für eine gewisse Märchenwald-Romantik. Wir verspüren nahezu das Bedürfnis, uns ins gemachte Bett zu werfen. Vom leuchtenden Grün einmal abgesehen. Wir lernen ausserdem, dass man bei einer Stammdicke von 60 mm ungefähr von einem Alter von 350 Jahren ausgehen kann. Die alten Maoris haben in diesem Wald schon gelagert auf ihren Streifzügen nach Jade.
Nach 100 km umzingeln uns bereits die Zuckerhüte. Wie Puderzucker liegt der Schnee. Naheliegend, dass Dörti plötzlich Bock auf Eierkuchen hat.
Der Homer Tunnel ist eine Klasse für sich. Keine zehn Pferde würden Dörti dazu bringen, hier selbst durchzufahren. Die Abbildung des Gefälles sagt schon alles. Den Tunnel haben sie in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts durch den Berg getrieben. Es ist zappenduster und pure Felswände sind zum Anfassen nah. Brrrr.
Als angehende Erstsemestler in neuseeländischer Botanik bleibt abschliessend zu dieser Anreise zu sagen: In nur zwei Stunden sind wir durch drei komplett verschiedene Wälder gestiefelt. Vom reinen Nadelwald mit einem Boden so flexibel wie eine Federkernmatratze über einen uralten Rotbuchenwald bis hin zum uns so vertrauten suptropischen Wirrwarr. Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen. Diversität spielt hier in Neuseeland in einer gaaaanz anderen Liga.
Milford ansich ist gar nichts. Keine Siedlung, keine Bewohner. Nur ein Hafen, Millionen Parkplätze, ein Cafe und das Ende der Welt. Die Straße führt ins Meer. Hier ist wirklich Schluss.
Auf den Weg zum Milford Sound

Auf den Weg zum Milford Sound

Tolle Wälder

Einfach grün :-)Auf den Weg zum Milford SoundAuf den Weg zum Milford SoundDer Schnee sieht aus wie Puderzucker - Dörti denkt sofort an Eierkuchen :-)Kea ganz frech auf dem AutoAuf den Weg zum Milford SoundHomer Tunnel - ohne Worte...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Milford Sound…Mit Attributen darf man ruhig verschwenderisch sein. Aber am meisten trifft es wohl: Weltfremd und abgeschieden – ungeachtet der touristischen Nutzung. Die Natur ist erhaben und trotzt in Würde dem Spektakel, das ihretwegen Tag für Tag abgespult wird. Uns schüchtert diese Grandezza fast ein. Wir sitzen auf dem Schiff und es scheint, als hätte die Welt eine Käseglocke über uns gestülpt. Der ganze Trubel anderer Boote und Menschen ist weg. Wir lassen automatisch wirken. Wie kleine Kinder, die die Hälse recken, eingekeilt von grossen Kerlen. Fast vertikal wachsen die Steilklippen aus dem tiefblauen Wasser, mal mit Wald bekleidet, mal mit Schnee betupft. Kennt ihr diesen amerikanischen Maler, der im Fernsehen in nur wenigen Minuten eines dieser unverschämt weltfremden, idyllischen Bergpanoramen malte? Nun ja, so irgendwie siehts aus. Unwirklich. Der Milford Sound findet den Ausknopf an uns Menschen.
Milford SoundMilford Sound Milford Sound Milford Sound Pelzrobben - Faule Säcke :-)Milford SoundWasserfalldusche - mal was Neues...Milford SoundUnterwasserobservatoriumMilford Sound Milford Sound

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uns übrigens darf man diesmal den Glückskeks überreichen. Wir erinnern an 7000 mm durchschnittliche Niederschlagsmenge, circa 250 Regentage im Jahr… Und wir cruisen unter sonnenblauen Himmel über den Fjord. Es gibt also doch noch Gerechtigkeit im Leben.

In einem Unterwasser-Observatorium können wir uns die ganze Show von der anderen Seite anschauen. Witzig, denn eigentlich sitzen wir im Aquarium und die Fischis, Seesterne und Co. ergötzen sich an uns Doofis.

Tja. Das Gesicht glüht von so viele Sonne, Wind und Seeligkeit. Wir summen den Milford Sound und halten angemessen den Schnabel.

 

3 Gedanken zu “FJORDLAND

  1. Ihr Glückpilze! Wir konnten vor lauter Regen und Wolken damals kaum einen Berg sehen… Dafür kam dann aber halt das Wasser von allen Seiten.

  2. Ich bin immer wieder erstaunt, dass es noch beeindruckender geht. Ich wünsche euch in Australien mehr Wetterglück und keine Pannen mehr mit den Vehikeln, die ihr Euch evtl. bucht 🙂
    Passt schön auf Euch auf und lasst Euch von den vielen giftigen Tieren im Aussiland nicht auffressen und/oder beißen.

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