Tête à Tête mit Piepmätzen

Wir sitzen gerade am Milford Sound, am Ende der Welt. Sackgasse. Weiter geht`s nur noch mit dem Boot. Zeit ist reichlich vorhanden, also widmen wir sie dem wohl präsentesten Tier in diesem fernen Land. Jenen, die uns tagtäglich vom Morgengrauen bis zur Bettzeit begleiten. Den Piepmätzen. Erst vor einer Stunde wollte ein Weka, jenes kostümierte Waldhuhn, das wir einst fälschlicherweise für einen Kiwi hielten (schaut nur selbst, dem müsste man nur einen falschen Schnabel ankleben, und fertig), unseren Van inspizieren. Wenig später machte es sich am Müllsack unseres Nachbarn zu schaffen. Wozu also brauchen wir einen Fernseher? Auf dem Weg hierher durften wir erneut Bekanntschaft mit dem Kea machen. Dieser menschenfreundliche Papagei sass auf unserem Dach, ein anderer unter dem Vehikel. Alle zum Anfassen nahe. Der Kea ist auch ein gutes Beispiel, das Understatement der neuseeländischen Vögel zu erwähnen. Die haben kein auffälliges Gefieder und buhlen  wenn überhaupt nur mit Gesangstalent um Aufmerksamkeit. Nun gut, der Kea hat rote Flügelinnenseiten, aber das zählt nicht.

Nicht zu vergessen die universellen Spatzen. Die sind überall, als Survivor in allen Lebenslagen und Orten unterwegs. Wahre Fighter, egal wo auf der Welt. Zusammen mit den Möwen sind sie wohl am anpassungsfähigsten. Egal, in welcher Ecke dieses Landes wir bei Tisch sassen und einen Kuchen löffelten. Moewen und Spatzen gehörten mit zur Tischgesellschaft. Die ganz mutigen, wie ihr sehen könnt, setzen sich einfach direkt neben den Kuchen. Manchen sieht man’s auch an. Die Möwen sind sowieso eine Klasse für sich. Auch wenn vielerorts nicht geschätzt, so mögen wir sie doch sehr. Endlich mal ein paar Farben, wunderschöne Kombi.  Das Purpurhuhn, das sind die Viecher, die kein Gespür für Autos haben und um die man auf der Strasse immer einen Bogen machen bzw. bremsen muss. Alle hier aufgezählten gehören mehr oder weniger zu den Opportunisten unter dem Federvieh. Daher sieht man sie wohl auch so oft. Sie ziehen aus uns ihren Nutzen und wir sind denen wirklich piep egal.

Die anderen, wie den Kiwi, die sieht man nicht. Aber hören tut man jede Menge. Einer, der so richtig schön flötet, begleitet uns seit Waiheke Island in Auckland. Wir glauben, es ist ein brauner Fettklops, der holt die  Töne also von gaaanz unten. Im Reiseführer lobt man einen Makomako, vielleicht isser das also. Uns ist`s gleich, solange er weiter trällert. Amseln gibt`s hier auch jede Menge, und vielleicht sollten wir den Tui noch erwähnen, nur den Neuseeländern zuliebe. Wir glauben, die finden den toll, nutzen zumindest den Namen in allen möglichen Branchen. Der Tui ist schwarz/weiss, ein bisschen wie die Elster, und hat zwei weisse Bommeln an der Kehle. Ihn sehen wir auch nur von Weiten. Und dann ist da noch dieser ominöse Autist aus den Baumwipfeln. Auch keine Ahnung, wie der aussieht, aber sein Gesang ist dilettantisch. Der pfeift wirklich nur einen Ton und lässt dazwischen auch noch Pausen. Herrlich, sich allein auszumalen, wie er wohl aussehen könnte…. Hoffentlich schön dämlich. Dann gibt`s noch einen mit gefleckter Brust, einen mit sehr stelzigen Beinen und den Fächerschwanz, der sich immer schön aufplustert. Kann auch alles Quatsch sein, was wir hier schreiben. Wie sagte Nietzsche so schoen…Es gibt keine Tatsachen, nur Interpretationen…

Warum wir plötzlich zu Ornithologen werden? Erstens haben wir jede Menge Zeit. Und zweitens sind Vögel hier in Neuseeland sozusagen die Ur-Ur-Ureinwohner. Tatsächlich, es gab damals keine Säugetiere, von denen aus dem Wasser und Fledermäusen einmal abgesehen. Alle Säugetiere wurden von den Europäern ins Land geschleppt. Das erklärt auch, warum die Kiwis so einen Wirbel um die Vögel und deren Protektorate machen. Wusstet ihr, dass viele eingeschleppten Säugetiere die Pest genannt werden. Unzählige Projekte, Aktionen und Menschen widmen sich der Aufgabe, solche Pesttiere zu töten. Wohl kaum ein Wald, der keine Warnhinweise bezüglich Fallen oder ausgelegten Gift vorzuweisen hat. Das ist ein kollektives Trauma. Zu viele endemische Tiere sind bereits ausgerottet und importierte exotische Tiere und Pflanzen, so heisst es, haben fatale Auswirkungen auf das Ökosystem. Das alles erklaert nun auch den aufgeblasenen Hasen und seine Message. Ebenfalls, das Dammwild hier in Gehegen gezuechtet wird. Jede Wette, das kaum ein Hirsch im Wald frei rumlaufen darf. Fazit? Man killt zu Hauf Opossums & Co, aus denen kann man wenigstens noch Mützen machen. Wat mut, dat mut.

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2 Gedanken zu “Tête à Tête mit Piepmätzen

  1. Dörti ich freu mich so dich einfach mal wieder so palabern zu hören bzw. Zu lesen. ich kann deine seele förmlich baumeln sehen u das tut soooooo gut;-) viel spaß weitethin u lg.

  2. Hallo ihr Süßen. Ich schon wieder. Schön, euch über die „normalen Tiere“ der Welt berichten zu hören. Nach Seelöwen und Pinguinen ist das die einfache Art. Gut so. Hat mir Spaß gemacht das zu lesen.

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