HOI AN/NHA TRANG

Es wird besser. Sowohl klimatisch als auch gesichtstechnisch. Selbst die Vietnamesen können das bestätigen. Die Kluft zwischen Süden und Norden hält an. Die ältere Generation ist – vermutlich aus guten Grund – noch immer sehr nachtragend. Der Krieg mag inzwischen Geschichte sein, aber die Vorurteile existieren. Man definiert sich lokal. Ist in Deutschland ja nicht anders. Für die Südvietnamesen hat der Nordvietnamese ein hartes Gesicht. Das können wir schmerzlicherweise bestätigen. Vom Bescheissen und Lügen mal ganz abgesehen. Aber zurück zum Reisen.
Hoi An. Hier können wir mal Pause machen. Es ist niedlig. Kuschelig. Lauschig. Die Altstadt, Unesco Welterbestätte, ein Fest für die Augen. Hier wurde ein einmaliges Erbe aus wackligen japanischen Kaufmannshäusern, chinesischen Tempeln und alten Teemagazinen erhalten. Dazwischen Boutiquen, Kaffeehäuser und Restaurants. Alles mit allerlei Kunsthandwerk versehen und dekoriert. Und das Beste: Hier herrscht Auto und Motorradverbot. Himmlisch, diese Ruhe. Wir flanieren unbeschwert durch die Gassen und lassen uns treiben. Hoi An ist auch sowas wie der Kudamm Vietnams. Hier ist shoppen angesagt, was angesichts der vielen Beutel von den Touris exzessiv betrieben wird. Das lokale Schneider- und Schuhhandwerk floriert. Man könnte sich jeden Sneaker nach Mass fertigen lassen. Material, Farbe, Schnürsenkel. Alles individualisiert. 30 Dollar kostet der Spass. Am Ende hätte man einen trendy Adidassneaker mit Lacostesohle. Kuckt eh keiner runter. Was die Klamotten angeht, sind sie wirkliche Meister. Mit jedem Katalogbild könnte man vorstellig werden und hätte innerhalb von wenigen Tagen eine originalgetreue Kopie. Dörti überlegt, ob sie sich ne Brille machen lässt. Aber dann entscheiden wir, die Angelegenheit auf Bangkok zu verschieben. Auch das Meer sehen wir nach einer gefühlten Ewigkeit wieder. Während alle anderen sich ein Fahrrad oder Motorrad mieten, latschen wir zu Fuss los. Was sind schon 5 km. Pustekuchen. Unverhofft schlittern wir in unsere vermutlich erste wahrhaft herzliche Begegnung mit einem Vietnamesen. Sagt man nicht, man erkenne am einfachen Mann die Seele eines Volkes? Klingt pathetisch, aber irgendwie stimmts. Auf dem Weg zum Strand winkt uns eine alter Mann von den Reisfeldern zu. Wir sind ja nicht doof oder romantisch verklärt um zu wissen, dass 15 Meter weiter auch andere Touris so aufs Reisfeld gelockt werden. Die machen sozusagen Public Relation für die Reisbauern. Er zeigt uns die Pflanzen, die Schneckenschädlinge und die Arbeitsabfolge – alles in Mimik und Gestik. Wir drücken ihm einen Schein in die Hand und machen weiter. Auf dem Rückweg rennt er uns schon auf der Strasse entgegen. Drückt uns mit seinen dürren und zittrigen Armen mit der Kraft eines Terminators und schenkt uns nochmals sein zahnloses Lächeln. Wir sind gerührt. Es geht bergauf.

Wir brauchen einen Tag am Strand. Mit Sonne. Was nicht so einfach ist. Irgendwie scheint alles sehr verbaut zu sein. Oder die richtigen Strandoasen sind auf Inseln zu finden, die man anfliegen muss.Nur widerwillig gehen wie einen Kompromiss ein und düsen nach Nha Trang. Stadt mit Stadtstrand. Dürfen wir halt nicht nach hinten kucken. Nur gerade aus aufs Meer. Nha Trang ist Urlaubsmekka für die Russen. Zu unserer Freude. Gibts halt viel zu sehen am Strand. Viele grosse, hässliche Menschen mit Bierbäuchen und engen Speedo-Badehosen. Pinker Nagellack. Vokuhila. Der ganze Stereotyp ist vertreten. Herrlich. Eigentlich sind wir schon dabei, den nächsten Bus weiter südlich zu planen. Dann spuckt der Zufall Heiki einen Easy Rider vor die Füsse, während Dörti das erste Mal seit Wochen richtig ausschlafen tut. Spontan ändern wir unsere Pläne und besiegeln das Geschäft mit einem Handschlag in einer Hinterhofgasse am Straßenstand. Wir gehen auf Motorradtour für 5 Tage und werden hoffentlich in das ungeschminkte Gesicht Vietnams schauen. Uahh. Das wird ein Spass. Wir freuen uns wie Bolle. Born to be wild. Lets rock….
Hoi AnHoi An Hoi An Hoi An Hoi An Hoi An - Japanische BrückeHoi An - Das Leben ist schon anstrengend :-)Hoi An Hoi An - Alles wird verkauft...Hoi AnHoi An - Tempel überall.Hoi An - Gemütliche kleine Stadt.Hoi An - Reisfelder auf dem Weg zum Strand.Hoi An - Heiki die neue Reisbäuerin :-)Hoi An - Einfach goldig... Werbung für sein Reisfeld.Hoi An - Endlich wieder Strand.Hoi An Hoi An - Baywatch mal anders :-)

3 Gedanken zu “HOI AN/NHA TRANG

  1. Jetzt auch noch Rocker, ist ja nicht zu fassen! Was seid ihr denn noch nicht gefahren? Hoi an ist ja wunderschön bunt. Weiter viel spass. Lg

  2. Hallo Ihr Beiden,
    auch wenn ich mehr im Hintergrund bin und nie ein Kommentar schreibe, bin ich doch regelmäßig auf Eurer Seite und „reise“ mit Euch. Ihr habt schon so viel gesehen und erlebt. Ihr seid wirklich zu beneiden. Freu mich, dass bisher alles so gut geklappt habt und Ihr gesund und munter seid. Hier zu Hause scheint die Zeit manchmal eher still zu stehen. Nun sehe ich Eure Vietnambilder und finde es so lustig, weil ich fast die gleichen Bilder habe. Ich war letztes Jahr für 3 Wochen im November dort und es hat mir sehr gefallen. Unser Start war auch im Norden und die ersten 9 Tage waren nur grau in grau und hinter dem Wolkenpass kam endlich die Sonne. Hoi An ist doch wunderbar zum Entspannen oder?! Ich empfehle Euch einmal ins „Palmarosa Spa“ einzukehren ;-).
    Viel Spaß noch und ganz liebe Grüße. Claudi

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