EASY RIDER TOUR 1

Reisanbau überall
Tag 1:
Wir heizen die vietnamesische Delikatessenecke auf und ab. Was heisst heizen….
Knattern vielmehr mit maximal 60 km/h durch die Walachei. Mehr geht auch nicht. Bei den Straßenverhältnissen. Everybody is Kung Fu Fighting auf Vietnams Straßen…. Angefangen hat alles mit einem rustikalen Frühstück auf niedrigen Plastikstühlen. Der Rucksack wird asiengemäß hinten aufgesattelt und ordentlich festgeschnürrt und schon brausen wir los in den warmen Küstenwind. Sehen Vietnams Exportgut Nummer Eins: Lobster, Muscheln, Tintenfische, Minuskeln, Mimaskeln und wie sie alle heissen, diese Viecher aus der Untiefe des Meeres. Die A und B Ware wird verschifft. C bleibt im Land, stichelt Dung… Das können sie gut, die Vietnamesen. Gesellschaft und Wirtschaft mit Galgenhumor nehmen. Wir besuchen Kohl-, Wassermelonen- und Rohrzuckerbauern. Probieren noch recht unreife Kakaofrüchte, während sich gegenüber der Kaffee in voller Blüte auf die Brust trommelt. Ritzen Kautschukbäume an und tanken literweise Wasser nach einer Kostprobe von Pfefferkörnern. Frisch vom Baum, versteht sich. Man hätte sie aber auch von den zahlreichen Matten klauen können, auf denen sie allerorts zum Trocknen ausliegen.

Als Nachtisch gibt es Puffreis, der manuell über offenem Feuer gedreht wird, bis es Peng macht. Später wird er zu Reismehl verarbeitet. Direkt danaben knallt das Popcorn. Wird ebenfalls in einer urzeitlichen Maschine kredenzt. Kennen wir nur vom Mittelaltermarkt…. Stichwort manuell. Technik als Effizienztalent und Hilfsmittel scheint hier noch nicht wirklich Einzug gehalten zu haben. Vermutlich, weil in dieser Ecke der Welt der Mensch noch billiger ist. Da kommt Demut auf, während wir an unser Wohlstandsleben denken… Die Gummiplantage ist riesig. Geerntet wird auch hier manuell. Von Baum zu Baum wird geritzt und getropft. Einen halben Liter gibt der Baum am Tag. Aber erst, wenn die Blätter blühen. Die Mädels, die bei Wind und Wetter den Maniok schälen, schneiden und trocknen, kriegen um die 15 Dollar am Tag. Das soll gar nicht so schlecht sein.
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Das Fazit nach Tag 1 lautet. Alles richtig gemacht. Wir sind entzückt und Vietnam endlich nicht mehr muffig. Ohne Make-Up kann es richtig gut ausehen. Neun Stunden ackern wir uns durchs Hinterland. 230 Kilometer geschrubbt. Cruisen über Serpentinen am Südchinesischen Meer entlang. Begutachten mit fachmännischem Blick Garnelenfarmen und nehmen uns dann die Bergkette vor. Barfüssige Kids, Wasserbüffel, Viehtreiber, Schweine und jede Menge Felder mit Bauern. Wir saugen und saugen und grinsen. Das macht richtig Laune. Bis der Hintern die Euphorie sabotiert und quengelt. Da sind wir dann aber nur noch 100 Kilometer von der kambodschanischen Grenze entfernt. Dung, der Boss, sowie Han, sein Bruder, steuern am späten Nachmittag die letzte Etappe an. Die haben wir uns ausgesucht, die Route wurde gemäss geändert. Wir wollen in den Yok Don National Park und vor Elefanten ehrfürchtig in die Knie gehen. Dörti hat gelesen, dass im Gegenzug zu anderen Orten, wo Elefanten als Arbeitstiere ein Leben ohne Ketten nicht leben dürfen, sie hier im Yok Don einigermassen gut behandelt werden. Man entlässt sie sogar nachts in den Wald. Morgens werden sie vom Ranger gesucht und nach einem ordentlichen Bad im Fluss zum Touristenkutschieren flott gemacht. Den Ranger wollen wir begleiten. Das Reiten lehnen wir vehement ab. Warum? Wir können nur wärmstens empfehlen, hier mal rauf zu klicken: http://www.peta.de/elefantenreiten#.VOHT4mbB3MI

Dumbo, der schlurfende Elefant

Die nächtliche Freiheit entpuppt sich als halbwahr. Er darf zwar frei laufen. Aber an seinem Fuss hängt eine 30 Meter lange eiserne Kette. Knapp 45 Minuten pirschen wir durch den Trockenwald. Der Ranger deutet hier und da auf Indizien. Spricht kein Wort Englisch. Für Elefantenhaufen braucht man auch keine Worte. Vereinzelt stossen wir auf angekaute Wurzeln. Dann steht er da. Dumbo. Majestätisch. Bildschön. Und traurig. Findet Dörti. Uns verschlägt es die Sprache. Wir sind fassunglos und gerührt. Bis wir das olle Klirren der Kette hören. Wie naiv sind wir eigentlich…. Haben uns Friede Freude Eierkuchen vorgegaukelt. Dörti kämpft mit den Tränen. Ihr Gesicht spricht Bände. Hackfresse, würden alle sagen, die sie kennen. Zetert innerlich wie ein Spitz und kann dennoch nicht die Augen von diesem Geschöpf lassen. Ein Königreich für die Macht, die Welt zu ändern. Da stehen wir im Wald, recken die Köpfe mit glühenden Ohren. Wir dürfen ihn anfassen. Sind wie elektrisiert. Zu viert machen wir uns auf den Rückweg. Eilig hat ers nicht. Schlurft vielmehr durch die Prärie. Wir haben gelesen, dass glückliche Elefanten mit dem Hintern wackeln. Keine Ahnung, obs stimmt. Unserem fehlt leider der Schwung. Auch wissen wir, dass domestizierten Elefanten erst der Wille gebrochen werden muss, bis sie gefügig sind. Diese Prozedur mit brutalen Mitteln hält ein Leben an. Der Rancher sitzt auf und fragt Dörti, ob sie auch will. Alte Heuchlerin, die sie ist, kann sie der Versuchung nicht widerstehen. Ist hin und her gerissen. Pc sieht anders aus. Schwingt sie sonst grosse Reden, Touristen sollten das vielerorts angepriesene Elefantenreiten boykottieren. Tja. So wie ein Kleinkind vor Knöpfen sitzt und sie trotz Verbot drücken möchte, so kann auch Dörti sich nicht beherrschen. Arsch an Kopf, so schunkeln Tier und Mensch wenig später durch den Wald. Bis zum Fluss gehts. Waschtag ist angesagt. Denn Tangan staubt wie ein alter Teppich. Wir sitzen in der Morgensonne und schauen den Geo Tierkanal. Und Dörti grinst beschämt wie ein Kind, das nicht zugeben möchte, wie spassig es war. Ehrfürchtig tätscheln wir seine Ohren ein letztes Mal. Bis er knurrt, der olle Bulle. Ja genau. Wir Menschen sind scheisse. Hast ja recht.
Auf der PirschElefant im York Don NationalparkDie olle Kette und der StockTangan und HeikeYork Don NationalparkElefantenleben im Yok DonOhne WorteElefanten WaschtagSchaut euch die Augen an

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Hondas fetzen. Mehr können wir über die Maschinen nicht sagen. Ausser, dass sie weinrot sind. Wieviel Umdrehungen und Zylinder und son Kram, ist uns schnuppe. Unsere beiden Begleiter sind der Hammer. Total bemüht. Tausende Male müssen wir vom Gaul springen, um Dongs Einführung in den vietnamesischen Landalltag zu lauschen. Von ethnischen Minderheiten über Agent Orange gebeutelte Wälder bis hin zu Kriegsdenkmälern ist alles vertreten. Gierig hängen wir an seinen Lippen. Dann gehts wieder rauf auf den Sattel und wir versinken in unseren Gedanken. Die kulinarische Reise geht weiter. Bei den Cashewnüssen ist noch nix los. Unreife Früchtchen. Aber die Nudeln hängen schon trocken auf der Leine. 200 Kilo Reis werden täglich in der Hinterstube eines Familienhauses verarbeitet. Weiter gehts durch den heissen Staub. Es soll schon wieder ein Wasserfall sein. Aber was für einer. Menschenverlassen. Wie in der blauen Lagune. Die müssen wir auch durchschwimmen, um uns die Wassergewalt auf den Rücken prasseln zu lassen. Besser als jede Thaimassage. Das Wasser ist geschmeidig, nahezu perfekt. Später schläft Dörti den Schlaf der Gerechten in einer perfekt gewölbten Felsmulde. Das beste Nickerchen ever. Bis sie Heiki von ganz weit weg rufen hört. Wir müssen weiter.
Einmal trocknen und foehnenNudelmanufaktur VietnamEasy Rider TourWasserfall in der grünen LaguneBesser als jede MassageWasserfall Easy Rider TourEasy Rider Tour

 

 

 

 

 

 

 

 

Wieder aufgesattelt, überkommt uns ein fettes Grinsen. „Sternstunden der Menschheit“ hat Zweig einmal geschrieben. Laut unserer Interpretation sind es Sternstunden des Menschlein. Momente, in denen die Zufriedenheit ganz tief in der Brust sitzt. Alles passt. Das Leben wunderbar ist. Und das beste ist. Der Tag ist erst halb rum. Später haben wir die Sense in der Hand und ernten Reis. Kaffee wird uns von kiechernden Bäuerinnen gereicht. Irgendwann hört auch der Asphalt auf. Es geht ins alte Vietnam. Dort, wo sich in den letzten Jahrhunderten scheinbar kaum was geändert hat. Manch einer hat Strom und TV. Aber viele der Dörfer, in denen vornehmlich ethnische Minderheiten leben, besitzen weder Kanalisation noch Wasser aus der Leitung. Der Brunnen tuts auch. Das Vieh schläft unter dem traditionellen Long House. Eine Feuerstelle im Haus und Bambusmatten, die abends für die Sippe ausgerollt werden. Wer spricht da eigentlich noch von Armut in Deutschland? Auch wir werden diese Nacht in einem Long House verbringen. Nur ist unseres schicker als die anderen. Von der Familie trennt uns eine Plasteplane. Hoffentlich schnarcht keiner. Wir sind seit 5.30 Uhr auf den Beinen und sehnen uns nach einer Matratze.
Reisanbau VietnamEs gibt Reis, BabyVietnamesische ReisbäuerinnenKaffee links, Pfeffer rechtsOn the roadTraditionelles Long HouseStillleben im WohnzimmerEinbauküche im zentralen Hochland VietnamsTja, da posieren wir mit der Armut...Vietnam KidsEasy rider on the roadWe are familyWasserbüffel machen FeierabendBuffalo SoldierSo lebt es sich im zentralen HochlandLolli gegen Foto - das ist der DealFamily Stay VietnamLong House Deluxe Suite

Ein Gedanke zu “EASY RIDER TOUR 1

  1. Hallo ihr Zwei,
    wir sind ja in Thailand auch auf Elefanten geritten. Diese hatten allerdings so ein Gestell auf dem man ganz bequem sitzen konnte. Aber durch den Fluss sind wir auch geritten.
    Hab euch lieb.

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