CHIANG MAI

Chiang Mai - Tiger Kingdom
Chiang Mai soll eine Großstadt sein. Stimmt auch irgendwie. Doch wenn man wie das Gros aller Backpacker nur in der Altstadt zirkuliert, wird’s gemütlich. Ein Wassergraben hält an allen vier Seiten den Stress ab. Drinnen zentriert sich tägliches Allerlei auf das Portemonnaie des Reisenden. An 365 Tagen könnte man sich durch immer andere Restaurants futtern. Vermutlich auch in genauso vielen Betten schlafen. Es ist nett. Gleiches gilt für die Thailänder hier oben. Sehr freundlich. Wir sind zufrieden und lassen es entspannt angehen. Haben für mehrere Tage eingecheckt und schleppen uns durch die Hitze des Tages. 200 buddhistische Tempel soll es hier geben. Kommt man also nicht drum rum. Trotzdem registrieren wir sie nur noch aus dem Augenwinkel. Sie dienen, wenn überhaupt, nur noch als Markierungspunkte auf unseren Stadtspaziergängen. Overdosis pur. All dieser Goldlack, die lila Fähnchen, gelben Wimpel und dieser ganze Firlefanz. Begriffe wie Tempel, Stupa, Pagode und Wat sind uns mehr als geläufig. Wir machen uns nicht mal mehr die Mühe, zu checken, wat denn nun wat ist. Obwohl, und wie ihr am letzten Satz sehen könnt, kommen Dörti die geilsten Ideen für neue Motto-T-Shirts. Die gibt es hier an allen Ecken und werden von allen Enden gekauft. Dörti meint bissig, es wäre die Traveller-Uniform. Recht hat sie. Alle sehen gleich aus, trotz oder wegen „Same, same but different“ Shirts… Könnte sie doch auch noch ihren Senf dazugeben. „WAT ’n dat?“ oder „So WAT?“ mit einem stilisierten Wat-Logo – würde wahrscheinlich weg gehen wie warme Semmeln. Uns gefällts…
Chiang Mai - TaxiChiang Mai - TukTukChiang Mai - TempelChiang Mai Chiang Mai - Kneipen überall...Chiang Mai - Bambus ist einfach toll

 

 

 

 

 

 

 

 

Mal abgesehen von den Tempeln, dem thailändischem Lächeln und der Hitze sind bei uns die Worte Kunst und Tiger im Gedächtnis geblieben. Kunst bezieht sich auf unseren Besuch im 3D Museum, in dem, wie ihr sehen könnt, wir jede Menge Spass hatten. Mehr gibt es nicht zu sagen. Seht selbst.
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Rückblickend betrachtet, und jetzt hier in der Dunkelheit von Pai mit einem Bier und dem Monitor vor der Nase, gilt das Wort Kunst wohl auch für den Tiger. Ist nicht alles an ihm Kunst? Oder anders formuliert. Gibt es wohl etwas vollkommeneres als einige Geschöpfe dieser Welt? Wir konnten uns vis à vis in seiner Schönheit verlieren und damit, diesmal wohlwissend, ein weiteres Übel in der „glorreichen“ Bilanz Mensch versus Tier erleben.
Chiang Mai - Tiger Kingdom
Im Tiger Kingdom kann man sich mit einem Tiger fotografieren lassen. Nicht nur mit einem Baby. Man hat die Auswahl zwischen Small, Medium und Big Tiger, die Preise für ein Foto mit einem kleinen Tigern sind am teuersten. Tiger Kingdom ist kein Zoo, sondern ein Tiger Park mit Restaurant. Heisst es. Den Unterschied haben wir bis heute nicht begriffen. Natürlich hatten wir im Vorfeld vieles gelesen. Wollten uns die Chose trotzdem mal ankucken, diesmal im absoluten Bewusstsein, dass ebenfalls unser Geld für diesen Scheiss benutzt wird. Offiziell heisst es, dass in dieser Aufzuchtstation Tiger gezüchtet und groß gezogen werden. Wir fragen uns, wozu man Tiger züchtet, ohne die Absicht zu haben, sie oder wenigstens einige der Tiger im Rahmen eines Auswilderungsprojektes wieder in die Freiheit zu entlassen. Die Kohle ist da, wird jedoch nicht für solche Zwecke eingesetzt. Aufzucht hin oder her, aber das scheint Fliessbandarbeit zu sein. Wir zählen an die 50 Tiger, alle in sehr kleinen Käfigen. 50 Tiger! Die werden vermutlich in einem Rotationsprinzip in die Streichelkäfige gelotst, wo sie dann von tausenden Besuchern täglich begrabscht werden. Auch das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Natürlich gibt es keine Beweise und man liest nur wenig im Intenet. Aber welcher Tiger würde sich freiwillig über einen längeren Zeitraum von ständig wechselnden Menschen berühren lassen. Schon allein der gesunde Menschenverstand weckt da Zweifel. Böse Zungen behaupten, sie würden unter Drogen gesetzt. Anderswo ist das Gang und Gäbe. Klingt auf jeden Fall plausibler als das, was Tiger Kingdom als Grund angibt. Dort heisst es, dass die Tiger von Anfang an den Umgang mit Menschen gewohnt sind. Jeder Tiger hätte seinen Pfleger, der ihn von Kindesbeinen an den Körperkontakt gewöhnt. Wir lesen außerdem auf einem neutralen Blog, dass die Tiger recht früh ihrem sozialen Umfeld entrissen werden, um Revierstreitigkeiten, Balzverhalten und anderes Gehabe zu unterbinden. Sprich das Agressionspotential wird unterdrückt. Irgendwann führt man sie dann wieder in die Gruppe. Macht auch keinen Sinn. Zumal Tiger keine Rudeltiere sind. Warum dann also 5 Katzen in einem 8 mal 3 Meter Käfig dahin dämmern, ist uns schleierhaft. Während unserer Besuchszeit aufjedenfall gab es mehrere Pfleger für mehrere Katzen. Kein besonderer für einen speziellen.
Chiang Mai Chiang Mai Chiang Mai

 

 

 

 

Auch wundern wir uns, wenn es so einfach ist, warum die Tiger von Siegfried und Roy nicht ohne weiteres von Hinz und Kunz betatscht werden dürfen. Und nicht ohne ein dämliches Grinsen führen wir Muttis Hauskatze an, die, obwohl an Menschen gewöhnt, dir schon nach 10 Minuten Körperkontakt eine auswischt. Das Wort auswischen bringt uns zum letzten Teil der Geschichte. Wir haben die Pfote vor unserer Nase. In Echtgröße. Ziemlich einschüchternd. Ebenso die muskulösen Vorderläufe. Wir betreten einen Käfig, in dem schon mehrere anderes Touristen sich auf die schlafenden Tigerkörper legen. Kein Witz. Die posieren wie Kleopatra. Dörti kann zwar nur für sich sprechen, aber die Barrikade ist unumwindbar. Das Gesicht hat sie ohnehin schon in stinkstiefelige Falten gelegt. Ist ihr alles nicht ganz koscher. Und voller Demut schaut sie auf dieses Geschöpf vor ihrer Nase und weiss gar nicht, wie ihr passiert. Der Pfleger sagt, sie solle sich dort hinsetzen, da den Schwanz nehmen, dort das Hinterteil kraulen. Schiss hat sie. Respekt. Und beim ersten Körperkontakt das Gefühl, in ein Biologiebuch zu greifen. Ein Stück Evolution in den Händen zu halten. Und zu guter Letzt, dass das, was sie hier vor der Nase hat, soviel kostbarer ist als all wir kleinen Menschen um ihn herum. Wert- und viel machtvoller. Und dennoch sind wir es, die ihm mit dem Stock eins auf die Nase geben, wenn er nicht will, wie wir. Ein Trauerspiel. Nach zehn Minuten ist der Spass vorbei und auch die Eiscreme kann den bitteren Nachgeschmack nicht vertreiben. Wut steckt uns im Hals. Tiger Kingdom ist nicht richtig. Garnicht richtig. Bemühen wir uns abschliessend einiger kluger Gedanken. Jeremy Bentham schrieb: Die Frage hat für die Menschen nicht zu lauten: Können die Tiere denken? Sondern sie hat zu lauten: Können die Tiere leiden. Dazu passt Hauschkas Fazit: Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen; müssen Tiere fühlen, daß Menschen nicht denken. Freud schrieb gar, er ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen.
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Es ist und bleibt eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung, dass das Wort „Tierschutz“ überhaupt erst geschaffen werden musste. Schon Abraham Lincoln sagte: Ich bin für die Rechte der Tiere genau so wie für die Menschenrechte. Denn das erst macht den ganzen Menschen aus…. Dabei ist die Rechnung doch so einfach. Die Indianer schrieben, dass unsere Rolle nicht die des Besitzers, Herrschers wäre, sondern die eines Hüters, eines Verwalters. Der Mensch hätte Verantwortung, nicht Macht…. Tja, da haben wir irgendwas fehlinterpretiert.
Chiang Mai - Die Welt ist ein Dorf... :-)Chiang Mai - Fish Spa einfach lustig...Chiang Mai - Fish Spa - Es scheint zu schmecken :-)

 

 

 

 

PS: Wie klein doch die Welt ist… Wir hatten auch einen super lustigen Abend hier in Chiang Mai mit Simone (ehemalige Handballerin aus Koblenz), Kim und Rüdiger – alle aus der Nähe von Köln. Und endlich haben wir uns auch ein Fish Spa gegönnt. Ihr könnt Euch nicht vorstellen wie schlimm (lustig) die erste Minute war. Aber es scheint Ihnen geschmeckt zu haben… 🙂

Ein Gedanke zu “CHIANG MAI

  1. Hallo ihr Süßen.
    Das war ja wieder ein Bericht.
    Das Dörte das unheimlich findet und sich aufregt ist doch klar.
    Aber das 3 D Museum. Das ist wirklich spektakulär.
    Ich freue mich auf euch und kann es kaum erwarten, dass ich mit euch kuscheln kann.

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