TONGARIRO HIKING

Foto 4 Taupo und die zentrale Hochebene ist das nächste Ziel. Hohe Berge, Vulkane, geologische Aktivitäten und tiefe Flüsse, so stehts im Reiseführer, machen diese Region so einzigartig. Unserer Ignoranz sei verziehen, aber uns scheint, als ob all diese Attribute schon seit geraumer Zeit unsere Wege kreuzen. Aber was wissen wir schon von Geologiegraphie…
Als Laie wuerden wir es vermutlich so formulieren. Es sieht schon anders aus, weniger exotischer. Dörti erinnert es ein bisschen an Kanada. Hauptsaechlich Nadelwälder – die Kiefer wird hier als billiger Holzlieferant angebaut, da sie in nur 36 Jahren ausgewachsen ist. Vereinzelt ein paar Farne und nur selten Palmen. Eisblaue Seen im Tal, und irgendwann dann auch die ersten schneebedeckten Riesen. Das Schneekoppe-Logo lässt grüßen.
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In Taupo, am gleichnamigen See gelegen, machen wir einen kurzen Pitstopp, um uns mit Wanderkarten einzudecken. Einmal angekommen, nutzen wir die urbane Zivilisation, um Heiki anständige Wanderschuhe zu kaufen. Wandern nämlich steht in den kommenden Tagen auf der To-Do-Liste. Also schnell wieder raus aus der Stadt und auf Serpentinen an der Seeküste entlang in Richtung Berge. Dort oben soll Mordor liegen.

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Insgesamt sind es drei imposante Vulkane, die den Horizont dominieren. Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro. Welcher jetzt als Filmkulisse für Mordor diente, haben wir vergessen. Zuviel Höhensonne ist nicht gut fürs Gehirn… Wir müssen nach Whakapapa, dem Ausgangspunkt für die Touren. Acht Stunden soll er dauern, der Tongariro Alpine Crossing. Ganz schön tricky und Dörti ist gar nicht gut, nur beim Gedanken. Zwar kann man die bisherige Reise fast schon als Kuraufenthalt bezeichnen – nur noch eine halbe Schachtel pro Tag (hören wir da ein anerkennendes Klatschen am anderen Ende der Welt?), kein täglicher Weinkonsum, jede Menge Bewegung, vor Mitternacht in die Kiste -, aber das Gelände soll recht ruppig sein. Dörti ist zwar unter den Blinden immer noch Königin, aber stolpern, rutschen, fallen und umknicken scheinen vorprogrammiert. Heiki jedoch ist guter Dinge. Sie will das Ding rocken. Also schnell ankommen und Kräfte sammeln.

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Tag 1 > Nach einer intensiven Nachtlektüre von Tatsachenberichten haben wir beschlossen, das Hortkind zu Hause zu lassen. Für die Tagestour ist es eh zu spät. Also lassen wir uns vom Visit Center beraten und stiefeln los. Das Ziel sind die Tama-Seen und die knapp sechstündige Wanderung führt uns durch den herben und wunderschönen Tongariro National Park. Übrigens Welterbestätte der Unesco. Das ganze Plateau ist von Gestrüpp und Steppengras (?) bedeckt und von den drei Vulkangiganten umzingelt. Alle Wege sind übrigens angelegt. Wandern leicht gemacht. Schwierigkeitsgrad also eher Mittelmaß. Dementsprechend dödeln wir beschwingt durch diese Einsamkeit und verlieren uns in Gedanken. Die beiden Seen sind schon eine Augenweide und wir wundern uns, wie einfach es doch ist, Frieden zu finden. Auf dem Rückweg kühlen wir unsere qualmenden Füße im Taranaki-Wasserfall. Äußerst einladend, gleich ganz reinzuspringen. Die Wassertemperatur belehrt uns eines besseren.

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Tag 2 > Heikis großer Tag. Tongariro Alpine Crossing Walk – Jaaaaaa ich hab’s gemacht und ich bin verdammt stolz auf mich!!!!! Eigentlich schreibt Dörti immer und darüber bin ich auch sehr froh. Nur heute muss ich auch mal ran, da ich die „Tongariro Alpine Crossing“ alleine gemacht habe 🙂 Die „Tongariro Alpine Crossing“ wird oft als beste Tageswanderung Neuseelands beschrieben.Sie führt über eine Mondlandschaft mit Kratern, verstreuten Bimssteinen, vorbei an smaragdgrünen Seen und statuengleichen Haufen von Vulkangestein. Ja was soll ich sagen, mir war schon etwas mulmig, als ich so vor der Karte und vor allem vor dem Berg stand. Wollte ich das wirklich tun? 19,6 km wandern, meistens Bergauf und zwischen 5,5 und 8 Stunden unterwegs sein? Tja nun gibt es wohl kein zurück mehr und ich machte mich auf den Weg zur „Wanderung meines Lebens“ 🙂

Aller Anfang ist schwer...Kurze Hose im Schnee :-)image-28

 

 

 

 

 

Los ging es vom Mangatepopo Valley bis zum Soda Springs. Zügig kam ich voran, war ja noch alles eben. Doch am Soda Springs angekommen, sah ich schon den steilen Anstieg vor mir und fragte mich wieder mal warum ich mir das nur vorgenommen habe. Augen zu und durch hieß die Devise und so machte ich mich auf den Weg. 1 Stunde lang bergauf zum South Crater. Man war das anstrengend und einzig und allein die Gegend und die Aussicht ließ mich weitergehen. Unterwegs sah ich den ersten Schnee und musste gleich ein Bild machen – Heiki mit kurzer Hose im Schnee. Irgendwie wollte ich das schon immer mal haben 🙂 Oben angekommen genoss ich die tolle Aussicht und Landschaft. Kaum zu glauben, dass ich erst 2 Stunden unterwegs war und mich fühlte, als wenn ich schon den ganzen Tag unterwegs wäre. Doch das schwerste sollte mir noch bevorstehen. Zum Glück hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung von dem, was kommt, sonnst wäre ich wahrscheinlich umgekehrt… Ne Quatsch, ich wollte es ja unbedingt und so zog ich meine langen Sachen wieder an, denn es wurde wirklich richtig kalt und der Schnee wurde immer mehr. Gut eingepackt ging es weiter.

image-26image-32Der Gipfel ist erreicht!!!image-42image-33

 

 

 

 

Jetzt führt der Weg weiter zum Abhang des Red Crater, einem aktiven Krater und dem höchsten Punkt auf der Tour. Nicht etwa über einem normalen Weg, nein den Berg hoch, ohne Wege, nur einfach mal 1,5 Stunden zum höchsten Punkt meiner Tour auf 1900m. Berghoch, berghoch, berghoch. Oben angekommen, dachte ich, meine Beine wollen nicht mehr und ich war erst 3 Stunden unterwegs… Wo soll das noch enden? Aber aller körperlichen Anstrengung zum trotz, entschädigt die Aussicht und der Red Crater für alles. Was für ein Anblick…. Traumhaft, kaum in Worte zu fassen, so etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Der Weg fällt dann ab zu drei wassergefüllten Kratern namens Emerald Lakes. Ihre strahlende, grünliche Farbe wird von Mineralien erzeugt, die ins Wasser gesickert sind. Weiter geht es über den Central Crater hinweg zum Blue Lake, einer alten vulkanischen Öffnung. Auch hier war es wieder sehr kalt und der Weg führte teilweise durch Schnee. Nachdem ich den North Crater hinter mich gelassen hatte und eine weiter Stunde immer wieder mit steilen Anstiegen unterwegs war, kam ich an der Ketethai Hut an. Hier begann endlich der lang herbeigesehnte Abstieg. Der Abstieg geht durch eine büschelige Hügellandschaft und dann in den heimischen Regenwald. Der kühle, grüne Wald bietet eine echte Erfrischung für den letzten Teil der Wanderung. Wer nun aber denkt, der Abstieg ist das leichteste, den muss ich eines besseren belehren. Fast 2 Stunden war ich unterwegs, und immer nur bergab ist auch kein Vergnügen. Nach 5 Stunden und 45 min erreichte ich endlich mein Ziel und war in diesem Moment der glücklichste Mensch, voller Energie und Tatendrang – ich hätte Bäume versetzen können. Erst am Abend im Camper wurde mir bewusst, was ich heute hinter mich gebracht habe. Der Körper und auch leider das Alter meldete sich zu Wort und ich war stolz auf jeden kleinen Schmerz. Jaaaa, ich hatte es geschafft und bin dankbar für dieses Erlebnis…

image-30 Red CraterMein Weg...Fantastische Aussicht

 

11 Gedanken zu “TONGARIRO HIKING

  1. Hallo meine Beiden,

    eure Berichte und Fotos sind einfach klasse. Man Heike. Da hast du wohl etwas ganz besonderes geleistet. Dabei bist du doch unser “ Wanderkönig“. Kannst du dich noch an unsere Wanderung zum Königsstuhl erinnern. Aber – es entwickelt sich. Wille versetzt Berge.
    Aber ich bin zwar froh, dass Dörte wegen der Verletzungsgefahr nicht mit gewandert ist. Aber, warst du denn alleine los. Oder wart ihr eine Wandergruppe. Das ist doch auch gefährlich. Was, wenn du nicht mehr gekonnt hättest. Na gut. Ist ja alles gut gegangen.
    Viel Spass euch weiterhin. Großen Kuss eure Mutti

  2. Jetzt hab ich endlich kapiert dass die Blog-Einträge nicht auf der Blog-Homepage auftauchen. Hatte zunehmend frustriert den Bookmark angeklickt und nie was neues gefunden – die heutige Computerwelt ist mir einfach zu hoch.
    Gratuliere zum umwerfenden Texten und den Bildern – Sehe D. geradezu vor mir beim Lesen !
    Ich wühl mich jetzt mal durch die verpassten Beiträge – lasst es Euch gut gehen !
    Benno

    • Huhu Benno, schoen von dir zu hoeren, und ja, son oller Blog ist halt nicht so chick, wie ich es haben wollte. Normalerweise sind die Beitraege alle rechts in der Tabelle untereinander aufgelistet. Sieht oll aus. Wir wollten irgendwie was wie ne richtige Seite. Also haben wir es so zurecht gestuempert. Unser cms aufjedenfall ist um ein Vielfaches besser 🙂 Hoffe alles flott bei euch, schoen durchhalten. Wir sind heute auf der Suedinsel gelandet…Es wird spannend und ich kann es kaum erwarten, mit Mobby Dick und Happy Feet zu plauschen… Aber dazu spaeter mehr, es gruesst dich aus der Ferne, Doerti

  3. Alle achtung für heike und aber auch für dőrte, dass sie sich nicht űbernimmt. Eure berichte sind reif fűr einen Reiseführer. Wenn ich die super bilder sehe, kann ich nur staunen aber finde für die Schönheit kaum worte. Weiterhin so tolle naturschauspiele. Seid ihr jetzt eigentlich mit einem camper unterwegs? Bleibt gesund und ganz liebe grüße kirsti und volker

    • Hallo Volkiiii, tut gut, dass ihr im Gedanken bei uns seit 🙂 Wir geben uns Muehe, euch immer auf dem Laufenden zu halten… Ick kann dir sagen, dass artet fast schon in Arbeit aus… Jeden zweiten Tag schreiben und interneten und net working…tssss…bloss nicht aus der Uebung kommen mit de olle Computer. Gruess die Sippe, wir sehen uns im naechsten Jahr. Es freuen sich dann schon Heiki und Doerti

  4. Huhu ihr Beiden!
    Die Bilder sind unsagbar schön, und ich fange tatsächlich an Euch so richtig zu beneiden. Wenn es nur nicht soooo weit weg wäre, dann würde ich tatsächlich mal hinfahren wollen.
    Heike, ich ziehe den Hut und verneige mich tief. Tolle Leistung! Aber, auch ich habe mich (wie Christine :-)) sofort gefragt ob Du tatsächlich so verrückt warst und den Trip alleine gemacht hast?!
    Da ich das befürchte, bin ich doppelt froh, dass du wieder bei Dörte gelandet bist.
    Ich wünsche Euch weiterhin viele tolle Eindrücke und entspannte Tage.
    Bin schon sehr gespannt, ob Eure Berichterstattung überhaupt nocht besser werden kann.
    Ihr solltet wirklich darüber nachdenken, von dieser Reise einen Reisebericht mit Bildmaterial dem ein oder anderen Verlag anzubieten.
    Ich könnte da evtl. helfen 😉
    Drücke Euch!

    • Hallo Rexi!
      Ja es ist wirklich verdammt schön hier und wir genießen jede Sekunde. Ich habe den Trip zwar ohne Dörti gemacht, aber mit ganz vielen anderen Wanderern. Also keine Gedanken machen alles in bester Ordnung und ohne Gefahren 🙂
      Mit dem Reisebericht ist keine schlechte Idee, aber wer außer Freunde und Familie würde das lesen bzw. kaufen wollen? Da machen wir uns mal Gedanken wenn wir wieder im Lande sind. Bis dahin wird noch viel geschrieben und berichtet. Lass es Dir Gute gehen. Drücker von uns Beiden.

  5. Hallo ihr zwei,
    jetzt hat sich zum Glück auch meine Frage beantwortet. Ich hatte schon befürchtet, Heike hat die Wanderung allein unternommen. Wobei das Wort Wanderung für diese Tour sehr schmeichelhaft ist.
    Eure Berichte sind ja sehr interessant und mindestens genauso amüsant.
    Passt gut auf euch auf und berichtet noch weiter so fleißig von von eurer
    tollen Reise. Lasst es euch gut gehen und genießt die tolle Zeit.
    LG Bernd und Martina

  6. Hallo Heike & Dörte,

    ich bin Christina von Bergzeit und möchte euch gerne einen Vorschlag für eine Kooperation machen. Leider finde ich keine E-Mail Adresse auf eurer Seite und versuche es daher über diesen Weg. Wenn ihr Interesse an genaueren Infos habt, meldet euch doch bitte bei mir unter c.breuer@bergzeit.de
    Ich freue mich auf eure Nachricht!

    Viele Grüße
    Christina

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