EAST COAST

Napier 07 PSchietwetter. Immer wenn wir an die Küste wollen, regnet es. Vom Tongariro Nationalpark sind es 3 1/2 Stunden Fahrt. Klingt nicht viel, aber das reisen summiert sich. Wir tanken fast jeden zweiten Tag. Muss wohl auch an den Serpentinen liegen. Abbremsen, Gas geben, Kuppeln etc. Heiki fährt mittlerweile wie ein erfahrener Trucker. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie die Bierdosen mit den Zähnen aufreisst.. 3 1/2 Stunden auf Neuseelands Strassen meint viel Zeit für Kopfkino. Und dusselige Fragen. Warum sind die Pferde alle zugedeckt? Warum trennt man die Kälber von den Mutterkühen? Warum haben einige der Lämmchen noch einen Schwanz, andere aber nicht? Brauchen die Bahnübergänge keine Schranken? Versteht wirklich jeder all diese Verkehrsschilder? Wieso nur scheinen fast alle Kiwis diese Holzhütten auf demontierbaren Fundamenten zu bauen? Landschaftlich ist es ein Auf und Ab der Assoziationen. Mal scheinen wir durch das Lippeland zu düsen – Wiesen, Felder und leichte Hügel. Dann gehts über Serpentinen durch den Bayrischen Wald. In Küstennähe die ersten Weinberge und Obstplantagen. Es blüht.

Da wir recht früh drann sind, versorgen wir uns in Napier, dem ersten Ort auf unserer Must-Do-Liste, mit Infokram und düsen gleich weiter zum Cape Kidnapper. So benannt, weil einheimische Maori hier versuchten, den tahitianischen Dienstjungen von Captain James Cook zu entführen. Auch soll hier eine riesige Tölpelkolonie nisten. Passt ja irgendwie, zumindest zu Dörti… ;). Irgendwie klappt es dann nicht mit der ollen Flut und dem zweistündigen Wanderweg und wir entscheiden, die ollen Tölpel rumtölpeln zu lassen. Stattdessen gehts weiter zum Ocean Beach in Richtung Waimarama. Wir müssen automatisch an die Weimaraner denken… Dann, man staune, reisst der Himmel auf. Wir erspähen tatsächlich das erste Mal einen dieser Kiwistrände bei so etwas wie blauem Sonnehimmel. Schnell T-Shirt an, Socken aus (die kurzen Hosen liegen leider noch janz weit unten im Rucksack) und den Strand inspizieren. Die Füsse werden auch endlich mal durchgespühlt und Dörti spürt den Pazifik auch mal von der anderen Seite. Dort drüben müsste doch dann irgendwo Ecuador oder Peru liegen? Wir entscheiden uns für ein Kaffeekränzchen an der Düne mit Blick aufs Meer – immerhin haben wir die Küche ja immer dabei. Wieder Zeit zum sinnieren und wir staunen über die Extreme dieses Landes. Erst gestern kroch Heike durch Schnee und Krater. Und heute starren wir auf weissen Sand und die Weite des Pazifiks. Eigentlich könnte man Surfen und Skifahren an nur einem Tag. Netter Duathlon. Aber erst eimal austrinken, einpacken und auf nach Napier. Das soll nämlich der Hammer sein.
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Der Silberstreif am Horizont, ein Juwel der Art-Dèco-Ära, ein Treffpunkt für Architekturfans aus aller Welt, charismatisch, ein sonnenverwöhntes Kleinod – so munkelt man in allen Ecken. Wir sind gespannt wie ein Flitzebogen und schlürfen tagsdarauf wohl eher wie zwei platte Reifen durch die Stadt. Jugendstil hin oder her, aber irgendwie versprühen die neuseeländischen Kleinstädte den Charme von amerikanischen Einkaufsmeilen. Vielleicht liegts auch am diesigen Wetter. Sonnenverwöhnt… Pustekuchen… Richtig zu sehen gibts nicht viel. Oder zählt eine Megawerft mit Hamburg Süd-Containern? Ein schwarzsandiger Stadtstrand mit tonnenweise Treibholz? Zugegeben, wir machen uns des Jammern auf hohem Niveau schuldig. Aber wir sind uns einig: Napier hätten wir uns schenken können. Die Ostküste im Sommer zum Beachen. Gerne. Weinverkostung muss jetzt auch nicht unbedingt sein. Letztenendes alles Ansichtssache. Zwei gute Dinge hats uns doch gebracht. Zum einen gehen wir das erste Mal seit unserer Anreise richtig essen. Im Restaurant, kultiviert und so. Sogar mit ´n bisschen chick machen. Es gibt Fleisch, Baby! Wir hauen unsere Beisserchen endlich in eines dieser gesunden Freiluft-Rinder und Lämmer. Ein Fest.
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Zum anderen machen wir am folgenden Abreisetag einen Abstecher (übrigens regnet es seit 3 Uhr morgens durch) zum wahrscheinlich längsten Ortsnamen der Welt. Ideal für jeden Buchstabierwettbewerb. Und drei Buchstaben mehr, wir hätten vermutlich mit Panoramafunktion aufnehmen müssen. Aber seht selbst. Und bitte alle laut vorlesen. Was das übersetzt heisst? Das ist die Abkürzung!!! für: Die Kuppe eines Hügels, wo Tamatea, der Mann mit den grossen Knien, der rutschte, kletterte und Berge ass und der der Landverspeiser genannt wird, seinem Bruder auf der Flöte vorspielte. Kein Scherz.

Auf gehts nach Wellington, der coolsten kleinen Hauptstadt der Welt. Dort heisst es auch, von der Nordinsel Abschied zu nehmen.

2 Gedanken zu “EAST COAST

  1. „Die Kuppe eines Hügels, wo Tamatea, der Mann mit den grossen Knien, der rutschte, kletterte und Berge ass und der der Landverspeiser genannt wird, seinem Bruder auf der Flöte vorspielte“

    So nenne ich später mal mein Kind. 😀

  2. Hallo
    Eine kurze Mitteilung für Heike
    Cristian Hungerecker von Celle haben sich getrennt .
    Nachfolger noch offen.
    Ansonsten noch eine schöne Auszeit und weiter brillante Bilder

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