LUANG PRABANG

Luang  Prabang
Wir können nicht unbedingt behaupten, dass wir uns an die langen Bustouren gewöhnen würden. Unter 10 Stunden geht garnichts mehr. Rein theoretisch könnten wir uns täglich auf eine der Masssageliegen schmeißen, damit uns eine kleine Asiatin im wahrsten Sinne des Wortes den Buckel runterrutscht. Die trampeln hier tatsächlich auf dem Rücken rum. Den Minivans haben wir aufgrund der Dreifachbeladung bereits abgeschworen. Also gehts mit dem Schlafbus (hier sind es übrigens 1,60 Meter lange Matratzen in Kojen für zwei Personen – wieviele Leute bereits ihr Haupt auf die vorhandenen Kissen betteten, wollen wir erst gar nicht wissen) oder dem Standard-Local-Bus durchs laotische Land. Dass Laos überwiegend gebirgig ist – nur etwa 10 % der Landesfläche bestehen aus Tiefland -, erfahren wir erst bei unser Reise in den Norden. Berge! Wie lange haben wir eigentlich keine Berge mehr gesehen? Die Abwechslung tut gut und wir berauschen uns wie zwei Junkies an den triefenden Farben. Gefräßiges grün, wohin das Auge reicht. Dazwischen Flüsse in der Farbe von Milchkaffee. Willkommen zauberhafte Vegetation. Scheint so, als ob die Berge der Trockenzeit den Zutritt verweigern. Es regnet sogar. Auch das ist schon lange her. Die Fahrt an sich ist abenteuerlich und einmal mehr wundern wir uns, mit welcher selbstloser Leichtsinnigkeit wir Touristen unser Leben in die Hände eines kleinen asiatischen Busfahrers legen. Sollte es sowas wie eine Weltmeisterschaft der Busfahrer geben, wir würden uns für die Kandidatur Südostasiens einsetzen. Die Serpentinen sind furios, teilweise fehlt der Beleg. Meistens in den Kurven. Fast nur Trucks and Busse sind unterwegs. Überholt wird scheinbar blind, aber es funktioniert. Vor der Kurve wird einfach gehupt. Uns kann das eh nicht mehr aufregen. Wir inhalieren stattdessen das Leben, dass an uns vorbeizieht. Mickrige Stelzenhäuser, die in selbstmörderischer Absicht an die Hänge getackert wurden. Nackte Kinder, Bauern, Märkte und Getier tuckern an uns vorbei. Der Wald wird endlich mal wieder seinem Namen gerecht. Entweder dreht er total durch und alles wächst unter-, über-, neben- oder durcheinander. Oder aber er wurde gezähmt, um nicht zu sagen, niedergemacht. Wir sehen viele Hänge, die lichterloh brennen.
Luang  Prabang
Luang Prabang
Tief in den Bergen von Laos, am Ufer des Mekong, im Grün des Dschungels versunken, liegt Luang Prabang. Luang Prabang war die Hauptstadt von Lane Xang, dem mächtigen Reich der ‚eine Millionen Elefanten‘, und über Jahrhunderte Sitz der Könige von Laos. Die Stimmung ist lässig. Luang Prabang ist Weltkulturerbe, doch die Welt bleibt, mal abgesehen von vielen entspannten Touristen, irgendwie draußen vor der Tür. Slowmotion wäre wohl etwas übertrieben, aber uns ist, als ob wir unter einer Käseglocke durch die Straßen von Luang Prabang treiben. Ruhig, fast gemächlich fließt die Zeit. Auch der Himmel scheint sich diesem Pulsschlag anzupassen. Als ob die Hitze sich unter die Sonne schieben würde. Es ist heiss und diesig, und schon am frühen Nachmittag sehen wir die Sonne als rotglühende Kugel. Wir meinen auch, dass es den Leuten hier irgendwie besser geht. Zumindest im Stadtzentrum imponiert uns der gute Geschmack und vermutlich auch die finanziellen Mittel, mit denen man hier die Häuser baut und die Restaurants einrichtet. Überall Gärten, Topfpflanzen, Dekoschniff, niedliche Vorhöfe und urige Gassen. Viele der Häuser sind zumindest teilweise aus Holz gebaut. Hat irgendwas von Alpenchic. Fragt man sich, was der Mekong von diesem Vergleich halten würde. Überhaupt der Mekong. Er begleitet uns jetzt seit Vietnam. Gigantisch. Was für Geschichten wohl in seinen Fluten schlummerrn. Er muss doch alles gesehen haben…
Luang  Prabang Luang  Prabang - der MekongLuang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir lassen uns einfach vom Müssiggang durch Luang Prabang schieben. Halten dort, schauen hier. Statten paar Tempeln einen Pflichtbesuch ab und wundern uns beim Feierabendbier mit Bick auf den Mekong, welches Schicksal wohl die Meerschweinchen erleiden, die wir auf unserem Stadtgang erblickten. Planen müssen wir auch ein wenig. Noch 28 Tage bis zum Showdown. Die müssen irgendwie gefüllt werden. Zum Beispiel mit einem Wasserfall…

Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang - Lampen mal anders...Luang  Prabang - man muss nur Ideen haben...Luang  Prabang - Baden im Mekong sehr beliebtLuang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kuang Si. Der ist wirklich schoen. Von wegen „Kennste einen, kennste alle“. Waren wir wohl etwas vorlaut. Mal wieder ist es die Farbe, diesmal ein milchiges Türkisgrün. Der Dschungel wuchert prächtig und die Sonne scheint. Was will man mehr? Wir knipsen vermutlich genauso viele Fotos wie die vielen Japaner, die in Gruppen an uns vorbei marschieren.

Wasserfall - Diese Farben einfach Traumhaft schön :-)Dann wagen wir uns an den Aufstieg und können mal wieder beweisen, was an Bergziegen in uns steckt. Hoch geht ja immer noch. Aber runter… Der Schweiss tropft vom Kopf in die Augen, ob nun der Angst oder der Konzentration geschuldet… Irgendwann gehts nur noch barfuss und auf allen vieren. Bzw. Füsse voran und mit dem Hintern aufsetzen. Wir freuen uns auch über die vielen Wurzeln, Lianen und Strippenäste, die uns als Hilfsmittel dienen. Unten wieder angekommen, geht Dörti gleich mit den ganzen Klamotten baden. Ist eh alles nass und staubig. Kurze Schreckminute: Was knabbert da an den Füssen? Tja, zumindest wissen wir jetzt, wo sich die Fuss-Spa-Damen in den Massagesalons den Nachschub holen. Die kleinen Fische werden hier überall in kleinen Aquarien genutzt, um die geschundenen Travellermaucken wieder standesgemäß aufzupimpen. Auch bei Dörti legen sie sofort los, sind aber mehr am Schorf der vielen Schurfwunden als an Hornhout interessiert.
Luang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - Wunderschön...Luang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - WasserfallLuang  Prabang - Lieben Gruß in die Heimat :-)Luang  Prabang - Tolle Aussicht nach hohem Aufstieg...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bären schauen wir uns natürlich auch an. Werbewirksam hat sich eine in ganz Südostasien wirkende Tierschutzorganisation „Free the Bears“ direkt am Wasserfall niedergelassen. Wir müssen an den großzügig angelegten Gehegen vorbei. Tja, Balu und seine Kumpels wurden alle aus den Klauen der Menschen befreit… Hatten wir das nicht gerade in unserem letzten Bericht? Bärengalle als traditionelle Medizin bei Kopfschmerzen? Tsss. Scheiss auf die Aspirin. Besser, man fängt einen Bären, möglichst noch ganz klein, sperrt ihn für ein Leben lang in einen 1 x 1 Meter-Käfig und zapft ihm die Galle an. Die Schmerzen müssen höllisch sein… Körperlich als auch im Bärengeist. Uns ist mal wieder zum heulen.
Luang  Prabang - MalaienbärenLuang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang Luang  Prabang - Kaum zu glauben hier werden die Bären eingesperrt und das alles für Bärengalle :-(Luang  Prabang - Die erste Pizza nach fast 6 Monaten - Kaum zu glauben, aber sie war soooo lecker :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

Soviel Trauer macht hungrig. Nicht wirklich, aber irgendwie müssen wir die Kurve kriegen zur nächsten Anekdote, die sich wie ein Paradebeispiel aus dem Leben eines Backpackers liest. Später, auf dem Weg ins Hotel, erspäht Heiki im Augenwinkel eine Gruppe Ausländer, die sich gerade eine Pizza gönnen. Die Anziehungskraft ist magisch und wie ferngesteuert wechselt sie die Richtung und betritt hypnotisiert das Restaurant. Wir lachen Tränen. Uhhhhhh, Pizaaaaaaa. Nennt sich das der Pawlowsche Reflex? Heiki lauft der Speichel, allein beim Anblick. Schnell noch die Nase rangehalten, das Kontrollzentrum ist eh schon ausgenockt, und dann inhaliert sie die Pizza in Millisekunden. Kein Scheiss. Ein Industrie-Staubsaugeer wäre blass vor Neid. Sechs Monate sind seit dem letzten Mal vergangen. Freude schöner Götterfunken. Heisst es nicht, es sind die kleinen Dinge, über die man sich freuen soll.

Tja, das wars. Luang Prabang. Tolle Stadt. Und tolle Massage. Die haben wir uns dann doch noch gegönnt. Ganz anders, diesmal. Ohne akrobatsiche Einlagen der Spa-Elfen. Diesmal waren es auch keine Frauen, sondern Männer. Erklärt vielleicht, warum wir aussahen wir Krankenschwestern. Mussten uns son Kittel und ne Leinenhose überziehen. Hier massieren die Frauen die Männer und die Männer die Frauen. Wir dachten zuerst, das falsche Etablissement betreten zu haben…War dann doch alles jugendfrei. Und anders, als erwartet. Die traditionelle laotische Massage ist eine trockene (d.h. ohne die Verwendung von Öl) Drück- und Dehnungsmassage. Sie kneten und walken dich durch, ziehen und hebeln an dir herum, bis du dich am Ende wie neugeboren fühlst. Teils schmerzhaft, aber effizient. Elastisch-beweglich soll sie machen. Passt uns gut, es geht weiter in die Berge zum Wandern.

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