Tiger Kingdom Chiang Mai – Bloss nicht….

Gibt es wohl etwas vollkommeneres als einige Geschöpfe dieser Welt? Wir konnten uns vis à vis in seiner Schönheit verlieren und damit, diesmal wohlwissend, ein weiteres Übel in der “glorreichen” Bilanz Mensch versus Tier erleben. Im Tiger Kingdom kann man sich mit einem Tiger fotografieren lassen. Nicht nur mit einem Baby. Man hat die Auswahl zwischen Small, Medium und Big Tiger, die Preise für ein Foto mit einem kleinen Tigern sind am teuersten. Tiger Kingdom ist kein Zoo, sondern ein Tiger Park mit Restaurant. Heisst es. Den Unterschied haben wir bis heute nicht begriffen. Natürlich hatten wir im Vorfeld vieles gelesen. Wollten uns die Chose trotzdem mal ankucken, diesmal im absoluten Bewusstsein, dass ebenfalls unser Geld für diesen Scheiss benutzt wird. Offiziell heisst es, dass in dieser Aufzuchtstation Tiger gezüchtet und groß gezogen werden. Wir fragen uns, wozu man Tiger züchtet, ohne die Absicht zu haben, sie oder wenigstens einige der Tiger im Rahmen eines Auswilderungsprojektes wieder in die Freiheit zu entlassen. Die Kohle ist da, wird jedoch nicht für solche Zwecke eingesetzt. Aufzucht hin oder her, aber das scheint Fliessbandarbeit zu sein. Wir zählen an die 50 Tiger, alle in sehr kleinen Käfigen. 50 Tiger! Die werden vermutlich in einem Rotationsprinzip in die Streichelkäfige gelotst, wo sie dann von tausenden Besuchern täglich begrabscht werden. Auch das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Natürlich gibt es keine Beweise und man liest nur wenig im Intenet. Aber welcher Tiger würde sich freiwillig über einen längeren Zeitraum von ständig wechselnden Menschen berühren lassen. Schon allein der gesunde Menschenverstand weckt da Zweifel. Böse Zungen behaupten, sie würden unter Drogen gesetzt. Anderswo ist das Gang und Gäbe. Klingt auf jeden Fall plausibler als das, was Tiger Kingdom als Grund angibt. Dort heisst es, dass die Tiger von Anfang an den Umgang mit Menschen gewohnt sind. Jeder Tiger hätte seinen Pfleger, der ihn von Kindesbeinen an den Körperkontakt gewöhnt. Wir lesen außerdem auf einem neutralen Blog, dass die Tiger recht früh ihrem sozialen Umfeld entrissen werden, um Revierstreitigkeiten, Balzverhalten und anderes Gehabe zu unterbinden. Sprich das Agressionspotential wird unterdrückt. Irgendwann führt man sie dann wieder in die Gruppe. Macht auch keinen Sinn. Zumal Tiger keine Rudeltiere sind. Warum dann also 5 Katzen in einem 8 mal 3 Meter Käfig dahin dämmern, ist uns schleierhaft. Während unserer Besuchszeit aufjedenfall gab es mehrere Pfleger für mehrere Katzen. Kein besonderer für einen speziellen. Auch wundern wir uns, wenn es so einfach ist, warum die Tiger von Siegfried und Roy nicht ohne weiteres von Hinz und Kunz betatscht werden dürfen. Und nicht ohne ein dämliches Grinsen führen wir Muttis Hauskatze an, die, obwohl an Menschen gewöhnt, dir schon nach 10 Minuten Körperkontakt eine auswischt. Das Wort auswischen bringt uns zum letzten Teil der Geschichte. Wir haben die Pfote vor unserer Nase. In Echtgröße. Ziemlich einschüchternd. Ebenso die muskulösen Vorderläufe. Wir betreten einen Käfig, in dem schon mehrere anderes Touristen sich auf die schlafenden Tigerkörper legen. Kein Witz. Die posieren wie Kleopatra. Dörti kann zwar nur für sich sprechen, aber die Barrikade ist unumwindbar. Das Gesicht hat sie ohnehin schon in stinkstiefelige Falten gelegt. Ist ihr alles nicht ganz koscher. Und voller Demut schaut sie auf dieses Geschöpf vor ihrer Nase und weiss gar nicht, wie ihr passiert. Der Pfleger sagt, sie solle sich dort hinsetzen, da den Schwanz nehmen, dort das Hinterteil kraulen. Schiss hat sie. Respekt. Und beim ersten Körperkontakt das Gefühl, in ein Biologiebuch zu greifen. Ein Stück Evolution in den Händen zu halten. Und zu guter Letzt, dass das, was sie hier vor der Nase hat, soviel kostbarer ist als all wir kleinen Menschen um ihn herum. Wert- und viel machtvoller. Und dennoch sind wir es, die ihm mit dem Stock eins auf die Nase geben, wenn er nicht will, wie wir. Ein Trauerspiel. Nach zehn Minuten ist der Spass vorbei und auch die Eiscreme kann den bitteren Nachgeschmack nicht vertreiben. Wut steckt uns im Hals. Tiger Kingdom ist nicht richtig. Garnicht richtig. Bemühen wir uns abschliessend einiger kluger Gedanken. Jeremy Bentham schrieb: Die Frage hat für die Menschen nicht zu lauten: Können die Tiere denken? Sondern sie hat zu lauten: Können die Tiere leiden. Dazu passt Hauschkas Fazit: Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen; müssen Tiere fühlen, daß Menschen nicht denken. Freud schrieb gar, er ziehe die Gesellschaft der Tiere der menschlichen vor. Gewiss, ein wildes Tier ist grausam. Aber die Gemeinheit ist das Vorrecht des zivilisierten Menschen.

Chiang Mai

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